RATGEBER
Fremdgehen: Ursachen, Folgen & Wege aus der Krise
Vielleicht haben Sie es gerade erst erfahren. Vielleicht tragen Sie das Wissen schon seit Wochen mit sich herum. Oder vielleicht sind Sie selbst fremdgegangen und wissen nicht, wie es weitergehen soll. Was auch immer Sie hierhergeführt hat — Sie sind nicht allein. Untreue gehört zu den schmerzhaftesten Erfahrungen, die eine Beziehung erschüttern kann. Dieser Ratgeber gibt Ihnen fundiertes Wissen, praktische Orientierung und die ehrliche Perspektive, die Sie jetzt brauchen.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine professionelle Beratung oder Therapie. Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden, wenden Sie sich an die Telefonseelsorge: 0800-1110111 (kostenlos, 24/7).
Autor: Redaktion Fremdgehen-Hilfe
Was bedeutet Fremdgehen? — Definition und Abgrenzung
Fremdgehen ist mehr als ein einzelner Moment — es beschreibt einen Vertrauensbruch, der die Grundfesten einer Beziehung erschüttert. Doch so eindeutig der Schmerz ist, so uneindeutig ist oft die Grenze: Wann genau beginnt Untreue? Die Antwort fällt überraschend unterschiedlich aus — je nach Paar, Kultur und persönlichen Werten.
In der Forschung wird Fremdgehen (Infidelity) als das Überschreiten vereinbarter Beziehungsgrenzen definiert — sei es durch sexuellen Kontakt, emotionale Intimität oder beides.1 Entscheidend ist dabei nicht eine universelle Definition, sondern die Erwartungen und Absprachen innerhalb der jeweiligen Partnerschaft.
Wo beginnt Fremdgehen? Die Grenzen sind individuell
Für manche Paare beginnt Fremdgehen beim ersten Kuss mit einer anderen Person. Für andere bereits beim heimlichen Chatten oder dem bewussten Verschweigen einer intensiven Freundschaft. Die Beziehungsforscherin Shirley Glass hat in ihrem Standardwerk „Not Just Friends“ beschrieben, wie sich Grenzen oft schleichend verschieben: Was als harmlose Kollegenfreundschaft beginnt, kann durch zunehmende emotionale Intimität und Geheimhaltung zu einem Vertrauensbruch werden — auch ganz ohne körperliche Berührung.4
Entscheidend ist häufig nicht die einzelne Handlung, sondern die Geheimhaltung. Glass formulierte eine hilfreiche Faustregel: Wenn Sie Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin nicht erzählen würden, was Sie mit einer anderen Person teilen — dann haben Sie vermutlich bereits eine Grenze überschritten.4
Reflexionsfrage: Welche Grenzen gelten in Ihrer Beziehung? Haben Sie und Ihr:e Partner:in jemals offen darüber gesprochen, was für Sie beide „Fremdgehen“ bedeutet?
Sexuelles vs. emotionales Fremdgehen
Die Forschung unterscheidet grundsätzlich zwei Formen der Untreue:
- Sexuelles Fremdgehen: Körperliche Intimität mit einer Person außerhalb der Beziehung — von Küssen bis zum Geschlechtsverkehr.
- Emotionales Fremdgehen: Tiefe emotionale Bindung, Vertrautheit und romantische Gefühle für jemand anderen, oft begleitet von Geheimhaltung gegenüber dem Partner oder der Partnerin.
Eine aktuelle Meta-Analyse von Warach und Josephs (2024) analysierte 89 Studien mit über 180.000 Teilnehmenden und fand: 17,45 % gaben sexuelle Untreue an, während 27,5 % emotionale Untreue berichteten.1 Emotionales Fremdgehen kommt also deutlich häufiger vor — wird aber oft weniger ernst genommen, obwohl die Auswirkungen auf die Beziehung ebenso gravierend sein können.
In der Praxis verschwimmen die Grenzen häufig. Viele emotionale Affären entwickeln sich über die Zeit auch zu sexuellen Beziehungen. Und umgekehrt kann eine rein sexuelle Affäre tiefe emotionale Bindungen erzeugen, die ursprünglich nicht beabsichtigt waren.
Warum gehen Menschen fremd? — Die häufigsten Ursachen
Die Frage „Warum?“ ist oft die erste und quälendste nach der Entdeckung einer Affäre. Die Antwort ist selten einfach — Untreue entsteht fast immer aus einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Die Forschung hat drei zentrale Bereiche identifiziert.3
Unzufriedenheit in der Beziehung
Mark Whisman von der University of Colorado fand in seiner vielzitierten Studie (2007), dass geringe Beziehungszufriedenheit einer der stärksten Prädiktoren für Untreue ist.3 Häufige Auslöser innerhalb der Beziehung sind:
- Emotionale Distanz: Das Gefühl, vom Partner oder der Partnerin nicht mehr gesehen, gehört oder verstanden zu werden.
- Sexuelle Unzufriedenheit: Unterschiedliche Bedürfnisse oder ein schleichender Rückgang körperlicher Intimität.
- Ungelöste Konflikte: Themen, die über Jahre vermieden wurden und zu Frustration und Entfremdung geführt haben.
- Fehlende Wertschätzung: Das Gefühl, in der Beziehung selbstverständlich geworden zu sein.
John Gottman, einer der einflussreichsten Beziehungsforscher weltweit, beschreibt in „What Makes Love Last“ (2012), wie sich Vertrauen in einer Beziehung über tausende kleiner Momente aufbaut — oder erodiert. Er nennt diese Momente „Sliding Door Moments“: Augenblicke, in denen Partner:innen sich füreinander öffnen oder voneinander abwenden. Wenn sich diese negativen Momente häufen, entsteht eine „Vertrauensmetrik“, die immer weiter ins Negative rutscht — und die Beziehung anfällig für Untreue macht.5
Wichtig: Unzufriedenheit erklärt Fremdgehen, aber sie entschuldigt es nicht. Viele unzufriedene Partner:innen suchen sich andere Wege — Gespräche, Therapie, Trennung. Die Verantwortung für die Entscheidung, fremdzugehen, liegt immer bei der Person, die diese Grenze überschreitet.
Persönliche Faktoren (Bindungsstil, Selbstwert)
Nicht jede Affäre lässt sich auf Beziehungsprobleme zurückführen. Manchmal liegen die Ursachen tiefer — in der persönlichen Geschichte und Psychologie der betroffenen Person:
- Unsicherer Bindungsstil: Menschen mit einem vermeidenden oder ängstlichen Bindungsstil (nach der Bindungstheorie von John Bowlby) haben ein statistisch höheres Risiko für Untreue. Ein vermeidender Bindungsstil kann dazu führen, dass Nähe als bedrohlich empfunden wird und Affären als „Sicherheitsabstand“ dienen.
- Geringer Selbstwert: Das Bedürfnis nach Bestätigung von außen — die Affäre als Spiegel, in dem man sich wieder attraktiv, begehrt oder lebendig fühlt.
- Narzisstische Züge: Ein übersteigertes Anspruchsdenken und mangelnde Empathie können die Hemmschwelle für Untreue senken.
- Impulsivität: Whisman (2007) identifizierte auch individuelle Persönlichkeitsmerkmale wie geringe Impulskontrolle als Risikofaktor.3
Die Therapeutin Esther Perel beschreibt in „The State of Affairs“ (2017), dass manche Menschen nicht fremdgehen, um ihren Partner zu verlassen, sondern um sich selbst zu verlassen — um eine andere Version ihrer selbst zu erleben, die im Alltag verloren gegangen ist.6 Diese Perspektive ist nicht als Entschuldigung gedacht, sondern als Einladung, die tieferen Motive zu verstehen.
Gelegenheit und Kontext
Manchmal spielen auch äußere Umstände eine Rolle:
- Arbeitsumfeld: Intensive berufliche Zusammenarbeit, Dienstreisen und emotionale Nähe im Team können Gelegenheiten schaffen. Glass (2003) fand, dass ein Großteil der Affären am Arbeitsplatz beginnt.4
- Soziales Umfeld: Wenn Fremdgehen im Freundeskreis normalisiert oder sogar bewundert wird, sinkt die individuelle Hemmschwelle.
- Digitale Kommunikation: Dating-Apps und soziale Medien haben die Gelegenheit zur Kontaktaufnahme vervielfacht. Der Schritt von einem „harmlosen“ Chat zur emotionalen Affäre ist oft kleiner als gedacht.
- Lebenskrisen: Midlife-Krisen, Verlust, berufliche Umbrüche oder die Erschöpfung nach der Geburt eines Kindes können Verletzlichkeit erzeugen, die in Affären mündet.
Reflexionsfrage: Wenn Sie auf die Zeit vor der Affäre zurückblicken — welche Warnsignale können Sie heute erkennen, die Sie damals übersehen haben?
Fremdgehen in Zahlen — Was die Forschung zeigt
Zahlen können helfen, die eigene Situation einzuordnen — nicht um Untreue zu normalisieren, sondern um zu verstehen, wie verbreitet dieses Phänomen ist.
Statistiken aus Deutschland
Die bislang umfassendste deutsche Studie stammt von ElitePartner (2020) mit über 6.000 Befragten. Die Ergebnisse:
- 31 % der Frauen und 27 % der Männer gaben an, schon einmal in einer festen Beziehung fremdgegangen zu sein.2
- Jüngere Altersgruppen (18–29) berichteten seltener von Untreue als ältere — was eher mit der kürzeren Beziehungsdauer zusammenhängt als mit höherer Treue.
- Etwa jede dritte Beziehung in Deutschland ist demnach irgendwann von Untreue betroffen.
International zeigt die Forschung von Whisman (2007), dass die jährliche Prävalenz sexueller Untreue in den USA bei etwa 2,3 % liegt — das klingt gering, summiert sich aber über die Dauer einer Beziehung erheblich.3 Die Meta-Analyse von Warach und Josephs (2024) fasst die globalen Daten zusammen: Rund jede:r Sechste berichtet von sexueller, rund jede:r Vierte von emotionaler Untreue.1
Geschlechterunterschiede
Die klassische Annahme „Männer gehen häufiger fremd“ wird durch neuere Daten differenziert:
- Die deutschen ElitePartner-Daten zeigen, dass Frauen sogar häufiger Untreue berichten als Männer (31 % vs. 27 %).2
- International nähern sich die Zahlen an. Die Meta-Analyse von 2024 fand zwar noch einen leichten Geschlechterunterschied bei sexueller Untreue, aber dieser wird bei emotionaler Untreue nahezu aufgehoben.1
- Ein wesentlicher Unterschied: Männer berichten häufiger von rein sexuell motivierter Untreue, Frauen häufiger von emotional motivierter. Doch dieser Unterschied wird oft überbetont — in der Realität sind die Übergänge fließend.
Was diese Zahlen vor allem zeigen: Untreue ist kein Randphänomen und kein „männliches Problem“. Es betrifft alle Geschlechter, Altersgruppen und Beziehungsformen.
Die Folgen von Fremdgehen — Für alle Beteiligten
Fremdgehen hinterlässt Spuren — nicht nur bei der betrogenen Person, sondern bei allen, die davon berührt werden. Die Forschung zeigt, dass die psychologischen Auswirkungen einer Affäre mit denen eines Traumas vergleichbar sein können.
Trauma und Vertrauensverlust
Für betrogene Partner:innen beschreiben Expert:innen häufig Reaktionen, die an eine posttraumatische Belastungsstörung erinnern:
- Intrusionen: Ungewollte Bilder und Gedanken, die sich aufdrängen — besonders in den ersten Wochen und Monaten.
- Hypervigilanz: Ständiges Misstrauen, Kontrollverhalten, die obsessive Suche nach weiteren Hinweisen.
- Emotionale Achterbahn: Wut, Trauer, Scham, Verzweiflung und Erleichterung wechseln sich in schneller Folge ab.
- Erschüttertes Selbstbild: „Was stimmt nicht mit mir?“ — die Untreue wird oft persönlich genommen, obwohl sie selten etwas über den Wert der betrogenen Person aussagt.
- Vertrauensverlust: Nicht nur das Vertrauen in den Partner oder die Partnerin wird erschüttert, sondern oft auch das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung. „Wie konnte ich das nicht bemerken?“
Gottman beschreibt diesen Zustand als „betrayal trauma“ — ein Verrat, der die grundlegenden Annahmen über die Beziehung und die Welt infrage stellt.5 Die Heilung braucht Zeit. Studien zeigen, dass es im Durchschnitt zwei bis fünf Jahre dauert, bis das Vertrauen in einer Beziehung nach einer Affäre wieder ein stabiles Niveau erreicht.
Aber auch die Person, die fremdgegangen ist, bleibt nicht unberührt. Schuldgefühle, Scham, Angst vor den Konsequenzen und die innere Zerrissenheit zwischen zwei Beziehungen belasten die psychische Gesundheit erheblich.
Auswirkungen auf Kinder und Familie
Wenn Kinder im Spiel sind, weitet sich der Kreis der Betroffenen:
- Kinder spüren die Spannung — auch wenn Eltern glauben, den Konflikt gut zu verbergen. Veränderte Stimmungen, Streit hinter verschlossenen Türen und emotionale Abwesenheit bleiben nicht unbemerkt.
- Loyalitätskonflikte: Erfahren Kinder oder Jugendliche von der Affäre, geraten sie häufig in die belastende Position, zwischen den Elternteilen zu stehen.
- Langfristige Prägung: Die Art, wie Eltern mit dem Vertrauensbruch umgehen, beeinflusst das Beziehungsverhalten der Kinder im Erwachsenenalter. Ein konstruktiver Umgang — ob in der Beziehung oder in einer respektvollen Trennung — kann diesen Einfluss positiv gestalten.
- Das weitere Umfeld: Freunde, Schwiegereltern und gemeinsame soziale Kreise werden oft ungewollt zu Mitwissenden oder müssen „Partei ergreifen“.
Reflexionsfrage: Wenn Kinder betroffen sind — welche Unterstützung brauchen sie gerade? Und wer kann diese Unterstützung bieten, wenn Sie selbst gerade am Limit sind?
Was tun nach Fremdgehen? — Erste Schritte
Die ersten Tage und Wochen nach der Entdeckung einer Affäre fühlen sich oft an wie ein freier Fall. Alles, was sicher schien, steht infrage. In dieser Phase geht es nicht um große Entscheidungen — sondern darum, erst einmal Boden unter die Füße zu bekommen.
Für betrogene Partner:innen
- Erlauben Sie sich alle Gefühle. Wut, Trauer, Fassungslosigkeit — alles ist berechtigt. Unterdrücken Sie nichts, aber versuchen Sie, keine irreversiblen Entscheidungen in der akuten Schockphase zu treffen.
- Suchen Sie sich eine Vertrauensperson. Das muss nicht sofort ein:e Therapeut:in sein. Ein enger Freund, eine Freundin, ein Familienmitglied — jemand, der zuhört, ohne sofort zu urteilen.
- Setzen Sie Grenzen. Sie bestimmen das Tempo. Sie entscheiden, wann und wie viel Sie erfahren möchten. Sie müssen nicht sofort verzeihen, vergessen oder eine Entscheidung treffen.
- Vermeiden Sie Detektivarbeit. Das obsessive Durchsuchen von Handys und E-Mails kann kurzfristig Kontrolle vermitteln, verstärkt langfristig aber den Schmerz und das Misstrauen.
- Sorgen Sie für sich. Schlafen, essen, bewegen — so banal es klingt, in der akuten Krise vergessen viele Menschen die grundlegendste Selbstfürsorge.
Wenn Sie wissen möchten, wo Ihre Beziehung gerade steht, kann der kostenlose Beziehungstest von PaarBalance ein hilfreicher erster Schritt sein.
Für die Person, die fremdgegangen ist
- Beenden Sie die Affäre — vollständig. Keine halben Sachen, kein „Wir bleiben Freunde“. Ein klarer Schnitt ist die Voraussetzung für jeden Neuanfang. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel über die Phasen einer Affäre.
- Übernehmen Sie Verantwortung. Ohne Ausreden, ohne Schuldzuweisung an den Partner oder die Partnerin. „Ich habe einen Fehler gemacht“ ist ein notwendiger erster Satz.
- Stellen Sie sich den Fragen. Ihr:e Partner:in hat das Recht auf Antworten. Das ist schmerzhaft, aber notwendig für den Heilungsprozess.
- Geben Sie Zeit. Die Heilung liegt nicht in Ihrer Hand. Sie können Vertrauen nicht einfordern — Sie können nur Bedingungen schaffen, unter denen es wachsen kann.
- Reflektieren Sie ehrlich. Was hat Sie in die Affäre geführt? Was hat Ihnen gefehlt — und warum haben Sie es nicht anders kommuniziert?
Kann eine Beziehung Fremdgehen überleben?
Die kurze Antwort: Ja. Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Nicht jede Beziehung kann und sollte nach einer Affäre weitergehen. Aber viele können es — wenn beide bereit sind, den schwierigen Weg der Aufarbeitung zu gehen.
Was die Forschung zur Paartherapie sagt
Gottman und seine Kollegen haben einen evidenzbasierten Ansatz entwickelt, der speziell auf die Verarbeitung von Untreue ausgelegt ist. Sein Modell beschreibt drei Phasen:5
- Sühne (Atonement): Die untreue Person zeigt echte Reue und übernimmt volle Verantwortung. Die betrogene Person drückt ihren Schmerz aus.
- Einstimmung (Attunement): Beide Partner:innen lernen, sich emotional wieder aufeinander einzustellen — durch aktives Zuhören, Empathie und die Bereitschaft, Verletzlichkeit zu zeigen.
- Bindung (Attachment): Das Paar entwickelt eine neue, oft tiefere Form der Verbundenheit — nicht trotz der Krise, sondern durch die gemeinsame Bewältigung.
Esther Perel geht noch einen Schritt weiter und spricht von der Möglichkeit einer „zweiten Beziehung“ mit demselben Menschen. Die erste Beziehung — die vor der Affäre — ist unwiderruflich vorbei. Aber an ihrer Stelle kann etwas Neues entstehen, das auf mehr Ehrlichkeit, Bewusstheit und Tiefe gründet.6
Die Forschung zeigt: Paare, die nach einer Affäre professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, haben signifikant bessere Chancen — sowohl für die Beziehung als auch für die individuelle Verarbeitung. Fremdgehen verzeihen ist ein Prozess, der Zeit, Geduld und oft professionelle Begleitung braucht.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Professionelle Unterstützung ist sinnvoll, wenn:
- Die Kommunikation zwischen Ihnen festgefahren ist — Gespräche enden immer in Vorwürfen oder Schweigen.
- Einer oder beide Partner:innen unter starken psychischen Belastungen leiden (Schlafstörungen, Angst, Depression).
- Die Affäre mehrere Monate oder Jahre andauerte und tiefe Verstrickungen entstanden sind.
- Kinder betroffen sind und Sie einen konstruktiven Weg finden möchten — ob zusammen oder getrennt.
- Sie das Gefühl haben, allein nicht weiterzukommen.
Optionen für professionelle Hilfe umfassen klassische Paartherapie vor Ort, Online-Programme wie PaarBalance (ein wissenschaftlich fundiertes Selbsthilfe-Programm für Paare) sowie Einzeltherapie, die gerade in der akuten Phase hilfreich sein kann. Wichtig ist, dass Sie einen Weg wählen, der zu Ihrer Situation passt.
Mehr dazu, wie Sie nach einem Vertrauensbruch wieder zueinanderfinden können, lesen Sie in unserem Artikel Vertrauen aufbauen nach Fremdgehen.
Häufig gestellte Fragen
Ist Fremdgehen ein Trennungsgrund?
Das kann nur jede Person für sich selbst entscheiden. Es gibt keine „richtige“ Reaktion auf Untreue. Manche Paare finden nach einer Affäre zu einer tieferen Verbindung, andere erkennen, dass die Beziehung schon vorher am Ende war. Entscheidend ist, dass Sie sich Zeit für diese Entscheidung nehmen und sie nicht im Affekt treffen.
Wie lange dauert es, Fremdgehen zu verarbeiten?
Die Forschung zeigt, dass die intensive Schmerzphase in der Regel 6 bis 12 Monate andauert. Bis das Vertrauen ein stabiles Niveau erreicht, vergehen häufig 2 bis 5 Jahre. Das bedeutet nicht, dass Sie so lange leiden werden — aber Heilung passiert nicht linear. Es wird gute und schlechte Tage geben.
Kann man Fremdgehen verzeihen?
Verzeihen ist möglich, aber es ist ein Prozess, keine einmalige Entscheidung. Echtes Verzeihen bedeutet nicht, zu vergessen oder so zu tun, als wäre nichts passiert. Es bedeutet, den Schmerz anzuerkennen und sich bewusst zu entscheiden, nicht länger von ihm beherrscht zu werden. Mehr dazu in unserem ausführlichen Artikel zum Thema Fremdgehen verzeihen.
Was sind die häufigsten Anzeichen für Fremdgehen?
Typische Warnsignale umfassen plötzliche Geheimniskrämerei beim Handy, unerklärte Abwesenheiten, verändertes Sexualverhalten, emotionale Distanz und ein auffällig veränderter Kleidungsstil oder Fitnessbewusstsein. Aber Vorsicht: Jedes dieser Anzeichen kann auch harmlose Erklärungen haben. Eine detaillierte Übersicht finden Sie in unserem Artikel über Anzeichen für Fremdgehen.
Geht jemand, der einmal fremdgegangen ist, immer wieder fremd?
Nein — aber die Statistik zeigt ein erhöhtes Risiko. Studien deuten darauf hin, dass Personen, die einmal fremdgegangen sind, mit etwa dreifach erhöhter Wahrscheinlichkeit erneut untreu werden. Allerdings ist das kein Automatismus. Entscheidend ist, ob die zugrundeliegenden Ursachen aufgearbeitet werden. Ohne Reflexion und Veränderung steigt das Wiederholungsrisiko. Mit ehrlicher Aufarbeitung kann der Kreislauf durchbrochen werden.
Hilft eine Paartherapie nach Fremdgehen?
Ja, die Forschung zeigt deutlich positive Effekte. Paare, die nach einer Affäre professionelle Unterstützung suchen, haben bessere Chancen — sowohl auf eine gelingende Fortsetzung der Beziehung als auch auf eine respektvolle Trennung, falls das der bessere Weg ist. Verschiedene Ansätze stehen zur Verfügung: klassische Paartherapie, die emotionsfokussierte Therapie (EFT) nach Sue Johnson oder Online-Programme, die einen niedrigschwelligen Einstieg ermöglichen.
Fazit — Ein Neuanfang ist möglich
Fremdgehen ist einer der tiefsten Vertrauensbrüche, den eine Beziehung erfahren kann. Die Zahlen zeigen, dass Sie mit diesem Schmerz nicht allein sind — rund ein Drittel aller Beziehungen in Deutschland ist irgendwann davon betroffen.2 Und die Forschung zeigt ebenso deutlich: Ein Neuanfang ist möglich.
Der Weg dorthin ist nicht leicht. Er erfordert Ehrlichkeit — mit sich selbst und mit dem Partner oder der Partnerin. Er erfordert die Bereitschaft, hinzuschauen, wo es wehtut. Und er erfordert Geduld, weil Vertrauen nicht über Nacht wächst.
Was dieser Ratgeber Ihnen mitgeben möchte: Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg nach der Entdeckung einer Affäre. Es gibt nur Ihren Weg. Ob Sie an der Beziehung arbeiten oder sich trennen — beides kann die richtige Entscheidung sein. Wichtig ist, dass Sie sie bewusst treffen, mit Unterstützung und im eigenen Tempo.
Wenn Sie einen ersten Schritt machen möchten, um Klarheit über Ihre Beziehung zu gewinnen, kann unser kostenloser Beziehungstest ein guter Anfang sein. Er hilft Ihnen, Ihre aktuelle Situation besser einzuschätzen — unverbindlich und anonym.
Auch das Lesen weiterer Artikel auf dieser Seite kann helfen: Erfahren Sie mehr über die Phasen einer Affäre, lernen Sie, wie Sie Vertrauen wieder aufbauen können, oder lesen Sie, wie andere den Weg geschafft haben, eine Affäre zu verarbeiten.
Sie haben den ersten Schritt bereits getan — Sie informieren sich. Das zeigt Stärke.
Quellen
- Warach, B. & Josephs, L. (2024). A Meta-Analysis of the Prevalence of Infidelity. Personal Relationships. — Metaanalyse von 89 Studien (n > 180.000): 17,45 % sexuelle, 27,5 % emotionale Untreue.
- ElitePartner Studie (2020). Treue und Untreue in deutschen Partnerschaften. — Repräsentativbefragung mit über 6.000 Teilnehmenden: 31 % der Frauen, 27 % der Männer berichten von Untreue.
- Whisman, M. A. (2007). Marital Distress and DSM-IV Psychiatric Disorders in a Population-Based National Survey. Journal of Abnormal Psychology, 116(3), 638–643. — Jährliche Prävalenz sexueller Untreue: 2,3 %; zentrale Prädiktoren: geringe Beziehungszufriedenheit, Persönlichkeitsmerkmale.
- Glass, S. P. (2003). Not Just Friends: Rebuilding Trust and Recovering Your Sanity After Infidelity. Free Press. — Standardwerk über die schleichende Erosion von Beziehungsgrenzen und die Entstehung von Affären am Arbeitsplatz.
- Gottman, J. M. & Silver, N. (2012). What Makes Love Last? How to Build Trust and Avoid Betrayal. Simon & Schuster. — Vertrauensmetrik, „Sliding Door Moments“ und das Drei-Phasen-Modell zur Heilung nach Untreue.
- Perel, E. (2017). The State of Affairs: Rethinking Infidelity. Harper. — Kulturelle und psychologische Perspektiven auf Untreue; das Konzept der „zweiten Beziehung“ mit demselben Partner.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine professionelle Beratung oder Therapie. Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden, wenden Sie sich an die Telefonseelsorge: 0800-1110111 (kostenlos, 24/7).
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